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Biathlon WM 2018

WM18 Logo

17. bis 19. April 2018           Vrøgum, Dänemark

 

[Rsultate Classic]                                           [Fotoalbum]

[Resultate Sprint]

[Resultate Staffel]

Vorbereitung auf Weltmeisterschaften

Wie schon in den Vorjahren lud auch 2018 der schwedische Verband für Biathlon-Orientierungslauf internationale Gäste zu seinem traditionellen Nachwuchstrainingslager, diesmal in das südschwedische Halmstad, ein. Hintergrund ist zum einen die tatsächliche Vorbereitung auf die kommenden Weltmeisterschaften im Biathlon-OL sowie natürlich, den eigenen Nachwuchsläuferinnen und –läufern diese hochkomplizierte Version des Orientierungssports nahe zu bringen. Geht es doch, wie bereits der Name sagt, den eigentlichen Orientierungslauf, wie wir ihn alle kennen, mit dem fast allen bekannten Biathlonsport zu verknüpfen. Dass beim „Biathlon-OL“ (BiOL) die Gewehre nicht, wie beim aus diversen Fernsehberichten bekannten „Winterbiathlon“ , durch die Athleten mitgeführt werden können, versteht sich von selbst – spätestens beim ersten Dickicht würden sich diese dort „gnadenlos“ verfangen.

Der Biathlon-Orientierungslauf besteht entsprechend des 1998 gegründeten internationalen Verbandes, der „Internationalen Biathlon-Orienteering Federation“ (IBOF), aus mehreren Teildisziplinen, dem „Klassik-Bi-OL“, dem „Sprint-Bi-OL“, dem „Massenstart-Bi-OL“ und dem „Staffel-Bi-OL“. Jeder dieser Disziplinen ist natürlich das Schießen mit Sportwaffen als ein Wettbewerbselement zugeordnet. Dieses kann entsprechend des Regelwerks in einfachster Form mit „Lasergewehren“, mit „Luftdruckgewehren“ oder mit „Kleinkalibergewehren“ absolviert werden. Für die jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften sind letztere natürlich dann als Pflichtwaffen vorgeschrieben, aber schon zu den jährlichen Weltcupserien können in Ausnahmefällen auch Luftgewehre eingesetzt werden.

Während der Ablauf in allen Disziplinen in der Regel aus OL-Teilstrecke 1 – Liegendschießen – OL-Teilstrecke 2 - Stehendschiessen – Laufstrecke zum Ziel zusammengesetzt wird und angepasst an der jeweiligen örtlichen Lage der Schießanlage auch durchaus auch aus dem nacheiander Absolvieren der beiden OL-Teilstrecken und erst dann die Schießeinheiten, unterbrochen durch eine Laufeinheit, folgen können, unterscheiden sich die einzelnen Disziplinen doch um etliches vom „Normal-OL“, wie wir ihn alle kennen. Wobei der „Sprint“ unserem früheren „Kurzstrecken-OL“ recht nahe kommt: Die OL-Bahnen sollen zwischen 12 bis 25 Minuten durchlaufen werden können. Ähnlich auch beim Staffelwettbewerb, hier allerdings sind dann so zwischen 20 bis 50 min die Regel. Unterscheid Nummer 1 bei der Staffel: Außer in der H21 E, in der 3 Läufer ein Team bilden, bestehen alle anderen Konkurrenzen aus Zweierteams – geschuldet allein schon der doch eingeschränkten Schießbahnen. Ähnlich unserem Staffelsystem wird unterschieden getrennt nach weiblich (D) und männlich (H) nach Jugend bis 16, Junioren bis 20, Damen 21 E, Senioren AK 70, AK 95 und AK 120. Jedes Teammitglied muss mindestens der AK 35 angehören, die zu erreichende Alterssumme beider Teammitglieder entscheidet über die angegebene Kategorie.

Die „Königsdisziplin“ allerdings ist die „Klassik“ – und speziell diese und das Schießen ist immer der Schwerpunkt dieser Trainingslager! Denn diese „Klassik“ bezeichnet eine Kombination aus „Punkt-Orientierungslauf“, verkürztem Lang-OL und je 10 Schießfolgen im Liegen und Stehen. Die Besonderheit dieses „Punkt-OL“ besteht darin, dass die auf einer immer und für alle Kategorien 3 km langen ausgeflaggten Laufstrecke kreuz und quer durch das Gelände dort an unbekanntem Ort platzierten 10 Orientierungspunkte so genau wie möglich auf einer mitgeführten Blankokarte mittels Nadeleinstich durch den jeweiligen Wettkämpfer markiert werden müssen. Neben den Zeitdruck (denn natürlich wird diese erste Teilstrecke in die Gesamtlaufzeit integriert) gibt es für jeden Millimeter Abweichung von der tatsächlichen Lage eine Zeitstrafe von einer Minute, die bis maximal 10 Minuten pro Posten sich steigern kann. Die jeweilige Schwierigkeit ergibt sich dann durch das vorhandene Geläuf und die vom Bahnleger eingebauten jähen Richtungswechsel. Diese Strecken können auch gern mal durch das „Dunkelgrün“ führen oder Kletterpartien durch Felsen (so denn vorhanden) führen. Gleich nach dem Ende dieser „Tortur“ folgt dann entweder die erste Schießeinlage(Liegendschießen) und dann mit einem Kartenwechsel beginnend die verkürzte Langstrecke oder diese unmittelbar nach dem Punkt-OL. Zum Schluss dann das Stehendschießen. Diese „Teildisziplin 3“ verlangt gegenüber dem „Biathlon“ allerdings jeweils 10 Schießeinheiten im Liegen und im Stehen mit der Besonderheit, dass jeder Fehlschuss gleich zu zwei Strafminuten führt. In den anderen Disziplinen Sprint und Staffel sind dann jeweils 5 Schuss abzugeben. Fehlschüsse werden mit je einer Strafrunde „belohnt“ , deren Länge etwa 150 bis 300 m beträgt. Beim Staffel-OL können zu jeder Schießeinlage dann noch 3 Reservepatronen eingesetzt werden, die allerdings dann einzeln nachgeladen werden müssen. Der „Massenstart“ wird meistens in einer verkürzten Form des „Klassik-BiOL“ durchgeführt.

Für das diesjährige Trainingslager waren aus Berlin und Brandenburg Mitglieder des Berliner TSC und des SV Schorfheide angereist. Erstmals war dabei mit der in Berlin studierenden und beim Berliner TSC aktiven Quyi Su eine Chinesin an diese Sportart herangeführt worden. Mit ihr ist somit in der internationalen Biathlon-OL-Szene nun erstmals auch Asien vertreten – entsprechend kümmerten sich die schwedischen Ausbilder natürlich um sie, damit sie dann bei der Weltmeisterschaft in Dänemark auch positive Erlebnisse sammeln kann.

Bernd Wollenberg

Durch Mitteljütlands Dünen…

…orientierten sich 2018 rund um Skive (Dänemark)die Teilnehmer der diesjährigen Weltmeisterschaften der Biathlon-Orientierungsläufer . Unter den über 160 Teilnehmern starten auch erstmals Vertreter aus China und Israel – initiiert durch WWOP Germany und den Berliner TSC, denn China ist simpel durch Qiyi Su, der 24 – jährigen chinesischen Studentin des Berliner TSC vertreten. Und aus Israel startet mit dem seit 1994 vielen Berliner OL´ern bekannten Doron Kissinger einer der experimentier-freudigsten Orientierungsläufer seines Landes mit dem Ziel, diese Extradisziplin auch in seinem Heimatland anzusiedeln. Wie bereits Anfang und Mitte der neunziger Jahre beim OL sind nun auch im Biathlon-OL die engsten „Entwicklungshelfer“ der israelischen Enthusiasten wieder wir Berliner OL´er und Biathlon-OL-Freunde. Zu den bei der Eröffnung von allen mit herzlichem Applaus bedachten Qiyi Su und Doron Kissinger wurden auch die beiden Starter des zum zweiten Mal seit 2017 antretenden Großbritannien mit großem Beifall begrüßt und alle drei neuen Nationen in den Eröffnungsreden des Bürgermeisters von Skive, des Kommandeurs der gastgebenden Dienststelle der dänischen Armee sowie durch einen Vertreter des Kommandos der dänischen Streitkräfte persönlich willkommen geheißen.

Interessant war eine Neuerung der Eröffnungszeremonie, bei der alle angetretenen acht Nationen einzeln zu den Klängen ihrer Nationalhymnen sich vor ihre am Appellplatz gehissten Flaggen formatierten. Mit neun Salutschüssen einer Vertretung der Ehrengarde der dänischen Streitkräfte in den historischen Uniformen der seit dem 18. Jahrhundert in Skive angesiedelten Truppen endete eine beeindruckende Eröffnung der nunmehr neunten Weltmeisterschaften, bei der unter den deutschen Farben insgesamt 12 Teilnehmer sich der Konkurrenz stellen – unter ihnen gleich 10 Berlinerinnen und Berliner und da die Chinesin Su ja Mitglied im Berliner TSC ist, sind es sogar 11 um Delegationsleiter Dr. Frank Braatz (Storkower SV / IHW Alex 78 Berlin) und den zu seinem Stellvertreter gewählten Tobias Schwartz vom Berliner TSC - gestartet für den neuen „Deutschen Verband für Biathlon-OL „ (DVBOL).

Der erste Wettkampftag ist traditionell die als „Klassik“ bezeichnete Kombination aus „Punkt-Orientierungslauf“, etwas verkürztem Lang-OL und je 10 Schießfolgen im Liegen und Stehen besteht. Die inzwischen auch Nichtbiathlon-Orientierern bekannte Besonderheit dieses „Punkt-OL“ besteht darin, dass die auf einer 3 km langen ausgeflaggten Laufstrecke kreuz und quer durch das Gelände platzierten 10 Orientierungspunkte so genau wie möglich auf einer mitgeführten Blankokarte mittels Nadeleinstich durch den jeweiligen Wettkämpfer markiert werden müssen. Neben dem Zeitdruck (den natürlich wir diese erste Teilstrecke in die Gesamtlaufzeit integriert) gibt es für jeden Millimeter Abweichung von der tatsächlichen Lage eine Zeitstrafe von einer Minute, die bis maximal 10 Minuten pro Posten sich steigern kann. Doch vor dem ersten Start gab es eine „erste Schwierigkeit“. Das sog. „Anschießen“ , bi der jeder Schütze seine Waffe auf die konkreten Bedingungen am Wettbewerbsplatz „einschießt“ musste wegen heftiger Orkanböen um 1,5 Stunden verschoben werden – demzufolge geriet der gesamte Zeitplan arg durcheinander. Jeder selbst aktive Sportler wird sofort nachempfinden können, was das bedeutet – Essen, trinken, mentale Vorbereitung – alles war jetzt verändert – und sicherlich sind im Wettkampfverlauf etliche Fehler im Orientieren, im physischen und auch psychischen Bereich auf diese Verschiebung zurück zu führen. Die Schwierigkeiten bei den beiden Orientierungsteilstrecken bestanden in dem zum größten Teil sehr dicht verwachsenen Geläuf mit Sichtweiten vielfach unter 10 Metern im Nationalpark von Tvorup (ca. 55 km nördlich von Skive) darin, den eigene Standpunkt in dem durch ständige, vielfach starken Winden vom offenen Atlantik her geprägten feinkuppierten Dünengelände immer im Blick zu haben. Der Bahnleger hatte sich sehr große Mühe gegeben, möglichst viele Richtungsänderungen in seine auch gern mal quer durch das „Dunkelgrün“ führende Lauflinie einzubauen. Vielfach fühlten wir Berliner uns allzusehr an den nordöstlichen Kartenbereich von Groß Schönebeck erinnert, so dass tatsächlich „Schritte zählen“ und genaues Kompasslesen angesagt waren. Gleich nach dem Ende dieser „Tortur“ folgte dann mit einem Kartenwechsel beginnend die verkürzte Langstrecke mit nun schon erwartungsgemäß feingestellten Posten im gleichen Geländebereich. Als wäre das alles nicht schon anstrengend genug, hatten die Veranstalter des gastgebenden Militärsportclubs „Idrätsforeningen Flyvestation Karup“ (IFK) ganz offensichtlich einen „Deal“ mit Petrus, denn es war doch recht warm, eigentlich schon heiß und schwül – wie ja seit Wochen überall in unserer Hemisphäre „üblich“ (Nix da mit „Kühler im Norden“…). Fast trockene Wassergräben und Sümpfe und meterhohes Gras, wenn es dann mal aus dem Grün herausging und hinzu wirr herumliegende Zeugnisse früherer Orkane in Form von abgestorbenen Baum- und Ast- resten erforderten hinzu noch eine gute Kondition und noch mehr auch Konzentration auf die vielen Laufbehinderungen. Teildisziplin drei dann die bereits erwähnten 10 Schüsse im Liegen und nach einer kurzen Crossrunde von nicht einmal 100 m dann im Stehen mit der Besonderheit, dass jeder Fehlschuss gleich zu zwei Strafminuten führte. Klar – in den Hauptkategorien der Junioren und Elite hatten unsere beiden zum ersten Wettbewerb angetretenen Vertreter Tim Dalheimer (H 20 / Berliner TSC) und Benno Schütz (ESV Lok Schöneweide) kaum eine reale Chance auf eine Medaille, denn speziell die Vertreter Dänemarks, Finnlands und Schwedens bestanden fast vollständig aus den jeweiligen Landesteams der Militärauswahlmannschaften zu den jährlich stattfindenden Miltärweltmeisterschaften. Während Tim, der derzeit ein schwedisches OL-Gymnasium in Südschweden besucht, einen ausgezeichneten vierten Rang erlief (ein einziger Fehlschuss oder 2 Minuten trennten ihn von seiner ersten WM-Medaille) fand sich Benno nach mehreren kleineren Ungenauigkeiten beim OL und etwas unglücklichen Fehltreffern auf Platz 31 wieder. Medaillen gab es zum Teil überraschend in etlichen Seniorenkategorien, die, wie auch schon bei den „Senioren WM“ vor knapp einem Monat zu beobachten, recht unterschiedlich besetzt waren. Diese Spezialdisziplin des „Klassik“ beim Biathlon-OL verlangt eine recht hohe Spezialisierung. Und so „meiden“ doch etliche der Biathlon-Orientierer diese sehr zeit- und kraftaufwendige Disziplin, in der es naturgegebener Maßen auch etliches an „Nichtwertungen“ und sogar „Disqualifikationen“ gab. Während sich in der H 35 dadurch Tobias Schwartz quasi allein gegen sich kämpfte – denn trotzdem müssen ja alle Teildisziplinen mit Erfolg „durcheilt“ werden – und seine Goldmedaille mit Schulterzucken in Empfang nahm und in der D 60 Monika Braatz (Storkower SV) die Silbermedaille dann in Empfang nahm, ging es in den anderen Seniorenkategorien unter den angereisten Spezialisten mitunter doch bei Wettkampfzeiten zwischen 2:30 Std bis 4:30 Std. unerwartet glatt um Sekunden. Wobei das erst nach etlichen Stunden und mehr als komplizierten Auswertungen fest stand, mussten doch vor allem die „Fehlmillimeter“ beim „Punkt-OL“ in mühevoller Kleinarbeit durch die Kampfrichter ermittelt und natürlich dann auch noch Gegenkontrolliert werden. Schlussendlich freuten sich dann über eine Bronzemedaille Carl Distler in der H 40 und Bernd Wollenberg in der H 70, letzterem fehlten dann zu Silber ganze 6 Sekunden. Beiden kam die im Trainingslager antrainierte Fähigkeit beim „Punkt-OL“ entgegen, Carl musste nur 7 mm, Bernd sogar nur 6 mm Abweichungen als „Strafminuten“ in Kauf nehmen und gehörten damit zu den besten 10% des gesamten Starterfeldes – selbst der Weltmeister der Elite, der Schwede Johan Eklöv, musste mit 3 min vorlieb nehmen, sein Verfolger, der neue Vizeweltmeister Hinder (SWE) musste genau wie der Bronzeplatzierte Thomas Greve Jensen (DAN) deren 10 verkraften.

Bernd Wollenberg

WM im „Kurz“ - Biathlon-OL

Wie bereits beschrieben heißt die 2.Disziplin beim Biathlon-OL „Sprint“ – ist jedoch nicht so richtig mit dem, was beim OL als „Sprint“ bekannt ist, vergleichbar. Eher würde der Begriff „Kurzbahn“ oder simpel „Kurz-OL“ zutreffender sein. Für diese Teildisziplin der diesjährigen WM hatten die Ausrichter der Militärbasis Skive der dänischen Streitkräfte ihren ca. 40 km südlicher gelegenen Truppenübungsplatz von Finderup gewählt – einem eindeutig eizeitlich geprägtem Dünengelände, das allerdings genau so stark verwachsen wie am Tag eins die nun um etwa 20 Starter angewachsenen Starter der diesjährigen Welttitelkämpfe erwartete, unter den hinzu gekommen mit Sebastian Fleiß (Berliner TSC) den Juniorenweltmeister von 2016, der ausbildungsbedingt den Klassikwettbewerb auslassen musste. Für diese 20 „Neustarter“ war diese „Grüne Hölle“ trotz etlicher Vorwarnungen durch die nun schon „Alteingesessenen“ doch mitunter schlichtweg schockierend und so fand sich mancher, der den Begriff „Sprint“ allzusehr mit „sehr schnellen Laufen“ verband, auf den relativ kurzen Strecken und in Hörweite der Schiessanlage plötzlich „irgendwo im grünen Busch“, nur nicht am anvisierten Posten wieder.

Natürlich fällt dann das „Umschalten“ auf kontrollierte Laufoffensive schwer – und das altbewährte „Schrittezählen“ direkt auf der Kompasslinie ist bekanntlich nicht so sehr das Ding diverser Orientierer… Die Posten standen exakt dort, wo sie auch eingedruckt waren und waren dann auch, hatte man denn die richtige Minilichtung oder Minidickung erreicht, dort so aus ca. 6 – 10 m Entfernung auch sichtbar. Aber jeder einigermaßen wettkampferfahrene Orientierungsläufer kennt das aus eigenem Erleben, was es heißt, unter Wettkampfanspannung sich zur Ruhe zu zwingen und zu versuchen, die nur lokal begrenzt sicht- oder besser ausgedrückt – fühlbaren Reliefstrukturen auch einzuordnen. Wie bereits beschrieben – Schrittezählen und konsequente Einhaltung der Kompasslinie waren da die besten Entscheidungen im Teilbereich Orientieren. Zum Biathlon-OL gehört natürlich das Schießen dazu – und bei dieser Sprintdisziplin werden Fehltreffer dann mit den berühmt-berüchtigten Strafrunden gewissermaßen „belohnt“ – und diesen führte dann erst einmal eine schöne Düne hinauf und mit mehreren scharfen Biegungen über liegende Bäume hinweg, so dass aus den knapp 250 m eine Belastung mit gut zwei und nach längerer Belastung auch gern schon mal 2,5 Minuten pro Runde werden konnten. Die Herrenelite gar „durfte“ noch etwa 80 m mehr absolvieren – dafür heißen sie ja auch Elite“. Die Schießanlage selbst war auch ein Novum. Von der Schusslinie aus waren die Ziele in 50 m Entfernung gut 10 m tiefer gelegen, hinzu dann Sonne von hinten… Bedingungen, die selbst erfahrenen Schützen zum Schwitzen bringen können. So kamen dann unsere deutschen Teilnehmer doch mit recht unterschiedlichen Ergebnissen zur Zeitwertung bei an diesem Wettkampftag wieder sonnigen und feuchtwarmen Witterungsbedingungen. Mit der Gesamtaufgabe kam heute bei den Damen-Seniorinnen der AK 60 Monika Braatz (Storkower SV) besser zurecht und konnte ihre Dauerkonkurrentin aus Dänemark, Mona Rasmussen, mit 9 Sekunden besiegen: Gold! Die gleiche Farbe auch wieder für Tobias Schwartz (Berliner TSC), der aber wieder auf Gegner vergeblich gewartet hat und trotzdem seinen Parcours mit hohem Wettkampftempo absolvierte. Sein Vereinskamerad Bernd Wollenberg blieb der von ihm am Tag eins gewählten Medaillenfarbe treu und erlief sich wieder Bronze, nur seine Gegner betrieben durchweg Wechselspiele in ihren Platzierungen. In den Leistungskategorien der Junioren und Elite erkämpfte sich Sebastian Fleiß trotz dreier Abweichungen im Dunkelgrün im Elitewettbewerb Platz 27, Juniorenstarter Tim Dalheimer wurde heute – bedingt durch ein ähnliches „Schicksal“ wie Sebastian – auf Platz fünf gewertet. Die von unserem Team des „Deutschen Verbandes für Biathlon-OL“ (DVBOL) betreuten Qiyi Su (China, Platz 2 der D 21 B) und Doron Kissinger (Israel, Platz 10 der Senioren AK 60) kamen schon mal besser mit den Aufgaben als am Tag der Klassik zurecht und freuten sich mit Recht über ihre jeweils vier Schiesstreffer und Erfüllung der Gesamtaufgaben, denn etliche andere mussten auch heute wieder Disqualifikationen oder simpel Wettkampfabbrüche verzeichnen… Das traditionelle abendliche Banquett führte dann die Vertreter aller neun Nationen zu kräftigem Schmaus und vielen Erfahrungsaustauschen zusammen und so manche Emailadresse wurde auch in diesem Jahr wieder ausgetauscht.

Bernd Wollenberg

Teambronze für Deutschland

Wie in eigentlich allen internationalen Grossereignissen in den Laufsportdisziplinen beschießen auch bei den Weltmeisterschaften der Biathlon-Orientierungsläufer die Staffelwettbewerbe die Welttitelkämpfe. Die Ausrichter der dänischen Militärbasis von Skive nutzten dazu das gleiche Militärareal des ca. 40 km südlicher gelegenen Truppenübungsplatz von Finderup mit seinen bereits beschriebenen typische eizeitlich geprägtem Dünengelände und dem sehr stark zugewachsenen Geläuf. Und obwohl durch die Erfahrungen des „Sprint-OL“ eigentlich vorgewarnt, nicht allzu „verwegen“ drauf los zu preschen traf es auch zu den Staffelwettbewerben überrasch end viele – zum Teil sogar sehr erfahrene – Biathlonorientierer durchweg aller Nationen und Alterskategorien. Neben der Junioren- und Elitekategorie werden ähnlich unseren deutschen Teamkategorien Minimalaltersgrenzen gesetzt, die sich in AK 70, AK 95 und AK 120 gliedern. Bedingt durch die notwendigen Schießbahnen für Liegend- und Stehendschiessen werden allerdings 3´er Teams nur im Starterfeld der Herren-Elite aufgestellt, alle anderen Kategorien starten in 2´er Teams. Genau wie beim durch diverse TV-Übertragungen bekannten „Winterbiathlon“ haben alle Starter neben ihren jeweils 5 Schuss je Anschlag auch noch zusätzlich für jede Schießeinlage 3 Reservepatronen zur Verfügung, ehe es auf die nunmehr noch um 50 m verlängerten Strafrundenfür Fehltreffer geht.

Das deutsche Team ging in allen männlichen Kategorien ab der Herren-Elite aufwärts an den Start. Während die Teams für die drei Seniorenkategorien recht schnell aufgestellt waren, gab es eine längere Diskussion über die Reihenfolge des Eliteteams, dass durch Trainer- und Leitungsentscheid dann mit dem eher als ruhig und besonnen anlaufenden bekannten Benno Schütz (ESV Lok Schönewiede) als Startläufer antrat, gefolgt vom 17-jährigen Juniorenläufer Tim Dalheimer und als Schlussläufer der Juniorenweltmeister von 2016, Sebastian Fleiß (beide Berliner TSC) folgen sollte. Leider „vergaß“ Startläufer Benno sämtlich guten Vorsätze und handelte sich gleich drei Suchaltionen ein, die dadurch entstandene Unkonzentration führte dann auch noch zu einigen „Penaltys“ mehr als normal. So startete Tim mit über 48 min Rückstand zur führenden Vertretung von Finnland III und immer noch 35 min Rückstand zum zehntplatzierten Dänemark III als elfter in sein Rennen. Auch Tim beherzigte nicht die mahnenden Worte der Trainer, konnte aber als momentan ein schwedisches OL-Gymnasium absolvierender Orientierer dann sich selbst noch unterwegs abbremsen und so zumindest den 11.Rang für das deutsche Team halten. Sebastian beherzigte sämtliche Hinweise und lieferte ein sehr gutes Schießergebnis mit insgesamt nur drei Strafrunden ab. Sein eigenes Ergebnis brachte ihn auf Platz 8 zu den mittlerweile führenden Schweden und reduzierte zumindest den Rückstand zu Platz 10 auf 13 Minuten. Unser bestes Resultat erzielten mit Platz 3 und somit Bronze das Team der AK 70 mit den TSC-Startern Tobias Schwartz und Carl W. Distler, bei der Startläufer Tobias dank guter Schießleistung sogar als zweiter mit knapp 2 min Vorsprung auf Schweden I auf Carl übergab. Deren sehr starken Schlussläufer Sören Nilsson Paledal (Weltmeister Klassik und Vizeweltmeister Sprint) , der zur Bestzeit der Konkurrenz auflief, konnte Carls jedoch außer seinem Kampfgeist nichts entgegensetzen, erreichte jedoch noch vor den als stark eingeschätzten zweiten Team von Schweden und Tschechiens erster Mannschaft den Bronzerang. Das Team der AK 120 mit Jürgen Schwanitz (TSV Deggendorf) und Bernd Wollenberg (TSC) wurde fünfte, die Mannschaften der AK 95, Deutschland I mit Bernd Käding (Kaulsdorfer OLV) und Frank Braatz (IHW Alex 78), für den Storkower SV startend, erreichte Platz 8, Deutschland II mit Matthias Kalle Dalheimer (TSC) und Doron Kissinger (ASA Tel Aviv, dank seiner Doppelstaatsbürgerschaft auch für Deutschland startberechtigt) wurde auf Platz 12 gelistet.

Während einige Biathlon-Orientierer nun noch einige Wettbewerbe in Tschechien und Schweden besuchen, wird die Mehrzahl auch der Berliner Teilnehmer dann Ende Oktober zum Weltcupfinale in Dänemark noch einmal im Jahr 2018 antreten.

Bernd Wollenberg