normale Schrift einschalten große Schrift einschalten sehr große Schrift einschalten

O-Ringen 2019

12.08.2019

Zum 22. mal: WWOP bei O-Ringen

[Fotos]

Seit 1992 WWOP-Germany sich dank des Vorschlags des schwedischen Mutterunternehmens unter Führung des damaligen wie heutigen Chefs Per Olof („Peo“) Bengtsson bildete und auch wieder dank seiner Einladung wir dann in sein „Heimatgelände“ , der südschwedischen Provinz „Skane“ nach Hässleholm zum 30-jährigen Jubiläum seiner „Erfindung“ von 1965, den „Svensk Femdagars“ , inzwischen nur noch als „O-Ringen“ bekannt, folgten, hat auch das Team von WWOP-Germany sich mit diesem „Virus“ infiziert. Somit waren unter den zum Schluss dank auch vieler Tagesanmelder 21 217 Teilnehmern aus 46 Nationen von den 169 Vertretern Deutschlands und von den 44 Startern Berlin-Brandenburgs dann neun via WWOP dabei.

Eigentlich natürlich und somit kaum zu erwähnen fährt von uns zum weltgrößten Treffen der Orientierungsläufer ganz real niemand mit realen Ambitionen auf einen der vorderen Plätze, diese sind selbst in den sog. „B-Kategorien“ so gut wie gar nicht erreichbar. Denn Sieger von O-Ringen zu sein, bedeutet z.B. in Schweden fast mehr als ein WM-Titel. Dort werden sie in ihren Clubs, ja sogar in ihrer Region regelrecht als Volkshelden verehrt. „Verstecken“ brauchten sich unsere Starter trotzdem nicht, die Motivation lautete bei uns eigentlich durchweg, die gestellten täglichen Herausforderungen beim Orientieren durch die vielen Steine, Felsen und vielfach unübersichtlichen Geländedetails innerhalb der maximalen Laufzeit von 150 min zu erfüllen. Speziell Sebastian Fleiß, mit seinen 22 Jahren nun bereits das 9. Mal dabei, kämpfte über seine täglichen 10 – 12 Luftlinienkilometern der H 21 L (bis vor einigen Jahren auch H 21 Elite II benannt) gegen dieses Zeitlimit an und war jedes Mal von Freude erfüllt, es wieder geschafft zu haben. Auch für unseren „Einsteiger“ Martin Bauer auf seiner H 21 Motion waren es absolute Erfolgserlebnisse, in der Gesamtwertung positiv geführt zu sein. Die Teamjüngsten, der H 14-Starter Artur Templiner und Miloscz Czynski in der H 15, der vor einem Jahr noch die polnische Rangliste der H 14 siegreich beenden konnte , arbeiteten sich von Tag zu Tag besser durch das schwierige Geläuf, das von der dort zur Zeit lebenden Susen Lösch (USV Jena), die viele Male mit WWOP zu diversen internationalen OL reiste, in ihrem Blog als sehr anspruchsvoll und O-technisch herausfordernd beschrieben wurde.

So führten die ersten Etappen an den östlichen Stadtrand von Finspangs in teilweise recht steiles, felsiges Geläuf, in den höher gelegene Plateaus dann jedoch auch flache Laufstücke mit etlichen kleineren Wegen anbot. Etappen drei bis fünf dann führten uns durchweg in steiles, felsiges Terrain und erforderten bei den täglichen „Downhill“ von den beiden letzten Posten hinab zum Zieleinlauf gehörige Kletter- und Balanceeigenschaften. Speziell die älteren Semester, zu denen ich mich mit nun 71 auch durchaus zählen darf, diskutierten denn auch mitunter recht heftig mit dem Bahnlegerteam – denn etliche der gebotenen Passagen hinab waren selbst den vieles gewohnten Schweden dann wohl doch zuviel und machten ihrem Ärger sehr lautstark gegenüber den Bahnlegern Luft. Manchmal ist es doch ganz gut, die Landessprache nicht zu verstehen…

Je nach selbstgestellten Aufgaben bzw. Einstellungen wurde, egal in welcher der diversen AK, das, was machbar ist, irgendwie abgerufen. Während sich z.B. Harald Walter (IHW Alex 78) in seiner H 50 –Kurz 2 über seinen 107. Platz unter den 138 gemeldeten richtig freute, gab es vereinzelt doch Starter, die sich um kleinere oder größere „Missgeschicke“ richtig ärgern konnten, wie unser bereits erwähnter polnischer Jugendstarter des Berliner TSC, Miloscz Czynski, kam er doch speziell bei den ersten beiden Laufetappen fast schon frustriert ins Ziel und strahlte dann umso mehr , als er zur allerletzten Etappe sich mit schon furiosen Zwischenzeiten unter den 216 Jungs einen ordentlichen 76. Platz erlief.

Den inzwischen traditionellen Ruhetag nutzten die meisten der O-Ringenteilnehmer, um das seit Beginn der O-Ringensaga angedachte Festival der Familien und OL-Freunde zu durchleben, sei es beim Nutzen der diversen Zusatzangebote wie des täglichen Biathlon – OL, des „Irrgarten-OL“ für Kinder und Jungjugendliche oder das Dabeisein am Abend beim inzwischen traditionellen „Elitesprint“. Hier war als einzigste deutsche Starterin die bereits oben erwähnte Susen Lösch am Start. Klar, dass ich ihre Bitte um etwas Betreuerarbeit gern nachkam. Zwar haderte sie im Ziel dann über hier und da durch kleine Unaufmerksamkeiten verlorene Sekunden und hätte sich real auch um gut 25 bis 30 Plätze weiter vorn platzieren können, aber so ist Sprint nun einmal. Gegen die Siegerin des Sprints und auch des Oringen 2019, Tove Alexandersson, verlor sie mit ihren 18:29 min 2:40 min, was den 43. Platz der Tageswertung unter den 80 Starterinnen bedeutete. Zwischenzeitlich auf Platz 11 liegend, lief Susen dann wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaften die Schlussetappe nicht mehr mit, sie setzt als beste deutsche Nationalläuferin eben Prioritäten!

Uns zog es, wie sehr viele auch, zu einer für die meisten noch unbekannten OL-Form, dem „Indoor-OL“. Inspiriert durch unsere in Stockholm studierende Marie Herrnhold, hatte Sebastian bereits im Winter so ein Spektakel mit dort über 2000 zum Teil extra dafür angereisten Orientierern erlebt und war absolut begeistert. Das mussten wir nun einfach ausprobieren – und es war tatsächlich ein Erlebnis. Beim gebotenen „Indoor-OL“ über gleich fünf Etagen einer Schule (in Stockholm waren es im Winter doch tatsächlich neun!) sich zu orientieren, forderte ein recht gutes Vorstellungsvermögen – wann verlässt man wo die Etage, auf der man sich gerade befindet und – „verdammt“ – wie komme ich denn nun in den Sektor B“, vor allem, was ist das? Ruck zuck waren bei mir 30 min vergangen und hatte Postenstandorte wie unterm Dach eine Leiter oben oder eine Postenbeschreibung „Quelle“, die nichts weiter in der Praxis war als ein Spülbecken, auf dem Toilettendeckel platziert war das ein „Wasserloch“ usw.usf. Also durchaus eine OL-Form, die garantiert über kurz oder lang auch Einzug in den deutschen OL halten wird, Wetten dass?!


 

Text und Fotos : Bernd Wollenberg


 

Weitere Informationen, Ergebnisse usw. www.oringen.se, www.orientierungslauf.de, www.ol-in-Berlin.de


 


 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: O-Ringen 2019