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Weltmeisterschaften Biathlon-OL, 13. bis 16.8.2015

Drei Medaillen für Deutschland – durch Nord-Ost-Ranglisten Team

 

Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften im Biathlon-Orientierungslauf in der Region rund um das finnische Mikkeli (ca. 200 km nordöstlich von Helsinki) waren die einzigen deutschen Vertreter zugleich auch Repräsentanten der Nord-Ost-Ranglisten-Region, starteten doch mit dem vorjährigen Weltmeister der  Langstrecke und Vizemeister im Sprint und der Staffel Dimitri Popov (AK 45/SV Schorfheide), dem Vizeweltmeister im Sprint und  der Staffel Sebastian Fleiß (Junioren/ Berliner TSC) sowie seinen Vereinskameraden Karsten Blume (Herren-Elite) und Bernd Wollenberg (AK 65, im Vorjahr Bronze in der Staffel mit dem Bayern Jürgen Schwanitz) vier Enthusiasten dieser jüngsten Orientierungssportdisziplin. Während Dimitri seit etlichen Jahren sich speziell dem Biathlon gewidmet hat, sind die drei TSC´ler bei den vorjährigen WM in Storkow mit dem „Bazillus Biathlon-Orienteering“ so richtig „infiziert“ worden.

Die Herausforderung des OL ist bekanntlich gegenüber dem normalen Laufen ja schon recht hoch und wird unter Sportwissenschaftlern nicht umsonst als „Crosslauf und Schach in einem Moment“ bezeichnet. Nun ist also auch noch das höchste Konzentration erfordernde Schießen mit Kleinkalibergewehr – dem Biathlon entsprechend – hinzu gefügt. Aktuell gibt es diese OL-Disziplin relativ ausgeprägt in Tschechien, Dänemark, Finnland und Schweden sowie Belgien. Nicht ganz so aktiv sind Esten, Litauer und Letten – und in unseren Landen bis auf wenige Ansätze leider so gut wie gar nichts. International sind noch andere Nationen ähnlich aktiv wie die unsere. Bei den jährlich   12 – 14  Weltcuprunden nebst der jährlich stattfindenden  Weltmeisterschaften sind deshalb vor allem die fünf genannten Nationen in heißen Konkurrenzen schon seit der Gründung der Internationalen Biathlon Orienteering Federation (IBOF) seit 2008 aktiv.  Erste Wettbewerbe gab es allerdings schon davor, in etlichen Ländern ist diese Disziplin eine Domäne der Militärsportler. In Deutschland organisierte die Bundespolizei für nationale Polizeiwettbewerbe unter Leitung des Deggendorfers Jürgen Schwanitz eine ähnliche OL-Form, in der statt des KK-Gewehrs dort mit Dienstpistolen geschossen wurde. Diese Biathlon-OL-Form wird auch bei den „Police- and Firegames“, den „Weltmeisterschaften der Polizei und Feuerwehr“ betrieben, ist aber allein schon wegen der Verwendung von Dienstwaffen natürlich für den zivilen Sport ungeeignet.

Bei den aktuellen Weltmeisterschaften in Finnland dominierten natürlich auch wieder die skandinavischen  Vertreter, doch zeigen unsere Achtungserfolge durchaus, dass in diese Phalanx auch deutsche Orientierer mit etwas konzentrierter und spezifischer Vorbereitung „eindringen“ können. Die aktuellen Vorbereitungen verliefen beim Berliner TSC nach den gewonnenen Erkenntnissen der vorjährigen WM in Storkow eben speziell auf eine Verbesserung der Schießtechnik, des konzentrierten Orientierens in unwegsamen Gelände unter Beachtung des Prinzips „Laufens mit angezogener Handbremse“. Das ist auch nur zu logisch, denn komme ich z.B. zum Schießstand mit zu hohem Puls, kann ich auch gleich abbrechen…  Die beiden Einzelwettbewerbe der Weltmeisterschaften verlaufen nach festem Regelwerk: Der Beginn des Biathlon-Lang-OL  ist seit einiger Zeit gekennzeichnet durch den sog. „Punkt-OL“ – einem dem bekannten Linien-OL nachempfundenen Wettbewerb über 3 km mit 10 OL-Posten, bei denen der konkrete Standpunkt mittels Nadel in eine Karte eingebracht werden muss. Jeder Millimeter Abweichung ergibt im Ergebnis dann 1 min Zeitstrafe – maximal pro Posten kann man bis zu 10 min „kassieren“.  Nach dem Liegendschießen erfolgt ein Normal-OL, danach Stehendschießen und danach der Lauf zum Ziel. Jeder Fehlschuss bedeutet bei dieser Disziplin „Langstrecke“ gleich  2 Strafminuten – keiner der 150 Teilnehmer von Mikkeli schoss fehlerfrei!  Wettkampf Zwei ist der „Sprint-OL“. Hierbei  eigebunden sind zwei Schießeinlagen liegend und stehend mit je 5 Schuss, jeder Fehlschuss wird mit einer Strafrunde „belohnt“.  Speziell die schießtechnische Vorbereitung sowie die mentale Einstimmung übernahm als langjähriger Biathlon- und OL-Spezialist der frischgebackene Diplompsychologe Dimitri Popov, der im deutschen Biathlon zwischenzeitlich bereits als Mentaltrainer wirksam geworden ist und in etlichen Landesverbänden des Biathlon angefangen hat, mit diversen Kadern, unter ihnen auch Nationalkader, auf die kommende Wintersaison hinzu arbeiten. Nebenbei – während unserer gemeinsamen Fahrt ist es gelungen, Dimitri auch für diese Tätigkeit im OL zu begeistern… Unsere Ergebnisse in den Einzeldisziplinen fielen eigentlich nicht schlecht aus: Sebastian wurde wie bereits erwähnt, nun bereits zum dritten Mal Vizeweltmeister der Junioren – und wiederholte unter den wesentlich komplizierteren Bedingungen des finnischen Geläufs seinen 2.Platz im Sprintwettbewerb aus dem Vorjahr. Dimitri Popov wurde nach Gold und Silber in Storkow 2014 in Mikkeli in den beiden Einzeldisziplinen jeweils dritter.

 

Ergebnisse:

Langstrecke

H 20 (9,5 km):

1. Anton Bernevig (SWE) – 2:07:43 Std. (davon 7 Min Pinkt-OL/8 min Liegendschießen/10 min Stehendschießen),… 5. Sebastian Fleiß (Berliner TSC) – 2:56:57 Std. (28/16/14)

H 21 (12,9 km):

1. Jarno Kallio-Könnö (FIN) – 1:56:39 Std. (3/4/6),…24. Karsten Blume (Berliner TSC) – 3:21:38 Std. (9/16/14)

H 45 (9,5 km):

1. Teemu Hauhia (FIN) – 2:07:03 Std. (3/12/12),… 3. Dimitri Popov (SV Schorfheide) – 2:16:11 (5/4/8)

H 65 (6,1 km):

1. Mauri Särssi (FIN) – 2:00:40 Std. (26/4/12),… 5. Bernd Wollenberg (Berliner TSC) – 2:58:58 Std. (33/10/18)

 

Sprintstrecke

H 20 (4,2 Km):

1. Johan Hagströmer (SWE) – 31:00 min), 2.Sebastian Fleiß (Berliner TSC) – 32:47 min ,3. Anton Holmback (SWE) – 35:27 min

H 21 (4,6 km):

1. Mikko Viitamäki (FIN) – 25:30 min,… 23. Karsten Blume (Berliner TSC) – 34:35 min

H 45 (4,0 km):

1.  Christen Laursen (DEN) – 30:35 min,… 3. Dimitri Popov (SV Schorfheide) – 32:14 min

H 65 (3,3 km):

1. Ole Christiansen (DEN) – 35:35 min,… 5. Bernd Wollenberg Berliner TSC) – 43:22 min

 

Spannung pur im finnischen Wald

Der einzige Teamwettbewerb beim Biathlon-Orientierungslauf ist der „Staffel-OL“. Gegenüber dem „herkömmlichen“ Staffel-OL laufen hier Zweierteams – bis auf die Kategorie der H 21, hier bilden drei Herren eine Mannschaft. Der aktuelle WM-Wettbewerb im finnischen Mikkeli startete mit einem Massenstart und einer Crossstrecke von knapp 600 m zum Liegendschießen. Danach folgte mit fließendem Übergang der OL-Teil durch den angrenzenden finnischen Wald und dem Stehendschießen, dem zum Schluss ein kurzer Crossteil von 200 m zum Ziel führt. Allerdings: Wie beim durch unzählige Fernsehübertragungen bekannten Winterbiathlon  führen Fehlschüsse zuerst zur Nutzung der drei „Nachlader“ je Schießdisziplin und danach erfolgt dann das berühmte „Rundendrehen“ im Strafrundenbereich – für die H 21 über stattliche 190 m, für alle anderen Kategorien über 150 m. Derzeit gibt es noch keine Begrenzung der Teams pro Nation, allerdings gibt es eine Begrenzung der Anzahl der startberechtigten Teilnehmer pro Nation auf 10, dieses  Limit wurde nur von den drei skandinavischen Nationen voll ausgeschöpft – die somit jeweils mit drei Staffelteams bei den Herren und bis zu fünf in den anderen Wettbewerben antreten konnten.

Deutschland stellte wie auch schon 2014 in Storkow wieder ein Herrenteam mit dem Doppelbronzegewinner der beiden Einzeldisziplinen der AK 45, Dimitri Popov (SV Schorfheide), dem Sprintvizeweltmeister der Junioren, Sebastian Fleiß und dem einzigen „richtigen“ H 21-Starter, Karsten Blume (beide Berliner TSC). Somit können sie sich durchaus auch als „Regionalteam Berlin-Brandenburg“ bezeichnen – wie auch schon im Vorjahr, als Karsten Blume zusammen mit Martin Ahlburg (IHW Alex 78) und Antonio Jänich (TOLF Berlin) antraten und „damals“ auf Platz Neun einliefen. Diesen Platz wollten aktuell dann auch die genannten drei Vertreter Deutschlands – allerdings unter doch schwierigeren – nämlich finnischen Orientierungsaufgaben geschuldeten – Bedingungen anstreben.

Mit Spannung erwarteten dann auch durch alle Zuschauer, Offiziellen und natürlich die anderen über 150 Aktiven den Start des Hauptlaufes der Herren. Sebastian, hierzulande ja als schneller Crossläufer bekannt (1 000 m – 2:53 min, 3 000 m – 9:52 min und 5 000 m – 17:18 min) setzte sich dann auch schon 150 m nach dem Start an die Spitze des Feldes und kam mit fast 70 m Vorsprung vor Finnland I und Schweden I zum Liegendschießen.  Da er beim üblichen  Anschießen im Liegen 80% Trefferquote erzielt hatte, schien nun alles sicher… Leider hatte sich zwischenzeitlich jedoch der leichte östliche Seitenwind beim Anschießen in der Stunde danach zu Windböen aus West kommend verwandelt und hier fehlten dann Basti logischerweise die den wettkampferfahrenen skandinavischen Biathleten innewohnende Routine bei dererlei „Ungemach“. Das hatte dann zur Folge, dass nach den drei Zusatzschüssen immer noch alle Scheiben standen und somit fünf lange Zusatzrunden anstanden – 950 m mehr also als die längst enteilte Konkurrenz. Doch scheinbar gibt es auch bei skandinavischen Biathlonorientierern Starter mit  weniger gutem Orientierungsvermögen – denn aus den fast 6 min Rückstand zum Vorletzten war nun Sebastian als zehnter zum  Stehendschießen aufgetaucht und braucht nun nur noch zwei Strafrunden zu laufen. Karsten Blume absolvierte sein Liegendschießen mit zwei Strafrunden und kam dann schon als Nummer Neun zu Stehendanschlag, von den skandinavischen Teams war Dänemark 2 nun nach uns. Dimitri Popov schoss nun alle Scheiben um und – als früherer russischer Nationalkader im OL – absolvierte ein fehlerfreies, schnelles Rennen durch den finnischen dichten, steineübersähten Wald. Zwischenzeitlich muss er wohl noch ein schwedisches Team „überrannt“ haben, denn „Dima“ kam als Achter aus dem Wald, nur knapp zwei Minuten hinter dem siebenten von Dänemark 1. Mit einer Art „Schnellfeuereinlage“ versuchte der frischgebackene Diplompsychologe, diesen Vorsprung abzubauen, natürlich vom nicht unerfahrenen Dänen drei Schießstände weiter, beobachtet. Zwei Strafrunden nun für Hans-Kresten Larson (Dänische Militärauswahl), doch der erfahrene Dimitri musste, aller psychologischen Erfahrungen zum Trotz, dann doch feststellen, dass im Wettkampf Nervenflattern auftreten kann und musste ebenfalls eine Strafrunde absolvieren. Letztendlich fehlte unserer deutschen Auswahl 30 Sekunden an einer noch besseren Platzierung, trotzdem freuten sich natürlich alle über das beste Ergebnis einer deutschen Mannschaft seit es diesen Wettbewerb gibt!

Eine ausgelassene Abschlussfeier in Form eines Banquett mit entsprechender Siegerehrung und diverser „Einlagen“ speziell der skandinavischen Teams ließ schnell die Anstrengungen der vergangenen Tage vergessen – und allen wird speziell das dänische „Mingemingeminge-Spiel “, das alle mitmachen „durften“ genauso in Erinnerung bleiben, wie das Namenssingen der Finnen oder die Vorführung der schwedischen Junioren, die einen OL nachspielten, bei dem in jeder Runde ein anderen durch alle möglichen Tricks „ausgeschaltet“ wurde.  „Selbsterstechen“ durch die Sicherheitsnadel der Startnummer, „Stolpern mit Bruch aller Gliedmaßen“ über einen Posten oder „Stromschlag“ durch Stempeln des Funkpostens…, man lernt halt nie aus!

Freuen tun sich schon jetzt alle auf ein Wiedersehen zum Finale des Weltcups (30.10.-01.11. in Dänemark) oder zur WM im Biathlon-OL 2016 in Tschechien (Anfang Juli) – Deutschland wird zu 100% dabei sein!

 

Ergebnisse mit  deutscher Beteiligung:

H 21 ( 3 x 5,4 km):

1. FIN – 1 (Mikko Viitamäki - Jarno Kallio-Könnö -  Mikko Hölsö) – 1:42:14 Std., 2. FIN – 3 (Tapio Perä - Matti Vainionpää - Daniel Forsell) – 1:45:18 Std., 3. FIN – 2 (Olli-Markus Taivainen - Antti Iivari - Jouni Heinonen) – 1:47:03 Std., … 8. Deutschland (Sebastian Fleiß – Karsten Blume – Dimitri Popov) – 2:21:20 Std.

 

Bericht und Fotos:
Bernd Wollenberg

 

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Weltmeisterschaften Biathlon-OL, 13. bis 16.8.2015

Fotoserien zu der Meldung


Weltermeisterschaften Biathlon-OL, 13. bis 16.8.2015 (17.08.2015)