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Biathlon OL WM 2016 - Klassik

 

4. Juli 2016 – Klassik

Die Königsdisziplin

 

 

Im allgemeinen wird im Orientierungslaufsport von der Langstrecke, die früher einmal auch als „Klassik“ bezeichnet wurde, von der „Königsdisziplin im OL“ gesprochen. Und das mit Recht, denn in dieser Disziplin wird sowohl das läuferische, also athletische, als auch das orientierungstechnische Können besonders geprüft. Und genauso ist es auch beim Biathlon-Orientierungslauf. Hier wird allerdings international in der „Internationalen Biathlon-Orienteering-Federation“ (IBOF) der Begriff „Klassik“ weiter verwendet.

Und in dieser, der Kategorie „Klassik“ der Orientierungssportart „Biathlon-Orientierungslauf“ („Bi-OL“), konnte ein weiterer Weltmeistertitel für das deutsche Team errungen werden. Bei dieser sehr speziellen – und eigentlich auch der schwersten Disziplin dieser noch jungen OL-Form konnte in der Kategorie der AK 40 sich der Biathlonjugendtrainer  des SV Schorfheide und aktuell im Biathlonzentrum Altenberg wirkende Dimitri Popov den Weltmeistertitel vor Nicolai Wind (DEN) und Olaf Binsch (NED) sichern. Dabei kam Dimitri Popov sein einmal als früherer sowjetischer Eliteläufer und Nationalkader zugute sowie, dass er von Kindesbeinen an auch im Winterbiathlon zu Hause in Novosibirsk aktiv war. Speziell im Schießen hatte er an diesem Wettkampftag seine Bestleistung abrufen können, die ihm auch den Sieg bescherten. Zu der Goldmedaille errangen deutsche Biathlon-Orientierer noch zweimal Silbermedaillen und wurden somit Vizeweltmeister. In der AK 35 jeweils Claudia Becker (Berliner Turnerschaft) und Tobias Schwartz (Berliner TSC). Abgerundet wurde dieser Klassiktag mit weiteren zwei Bronzemedaillen: Kirsten Käding (AK 40, Kaulsdorfer OLV) und Monika Braatz (AK 55, Treptower SV / SV Storkow) konnten ihre Medaillenausbeute erhöhen.

Einige Worte zu dieser Klassikdisziplin. Diese sehr speziell Form des Biathlon-Orientierungslaufs („Bi-OL“) besteht neben OL und jeweils 10 mal liegend und stehend schießen zusätzlich aus dem „Punkt-OL“. Speziell diese Teilstrecke gleich am Start hat es in sich: Jeder Teilnehmer muss auf einer drei km trassierten Strecke fünf OL-Posten konkret auf einer mitgeführten „blanken“ OL-Karte per Nadelstich ortsgenau markieren. Hinzu kommen fünf weitere Kontrollstellen, an denen jeder einen mit Postenbeschreibung gekennzeichneten Posten in wechselnder Entfernung vom eigenen Standpunkt „aufgehängt“ per Nadeleinstich markieren muss. Zur Unterstützung ist noch die Richtung, in der sich dieser befindet, angegeben. Grundsätzlich ist untersagt, auf dieser Strecke irgendwie zurück zu laufen noch diese überhaupt zu verlassen. Jeder Millimeter Abweichung beim Nadeleinstich kostet gleich eine Strafminute. Bei den Schießeinlagen dann, angelehnt an den TV-bekannten Biathlon, gibt es dann gleich zwei Strafminuten pro Fehlschuss! Diese „Fehlminuten addieren sich sehr schnell, was eben auch unsere Starter mehr oder weniger „spürten“. So war nach „reiner“ Laufzeit in der Juniorenkategorie der frisch gekürte Weltmeister Sebastian Fleiß (Berliner TSC) nach seinem „Lieblingsgegner“ Johan Hangströmer (SW, 1:35:10 Std. für die 7,2 km (270 Hm, 25 OP) plus die 3,0 KM „Punkt-OL“ mit 1:36:52 Std. eindeutig auf Platz zwei und eigentlich „sicher. Denn die beiden nächstplatzierten Thorsten Svensson (SWE, 1.47:31 Std.) und Anton Bernrving (SWE,  1:51.01 Std.) waren zeitlich doch recht eindeutig langsamer, aber hatten dann insgesamt weniger Strafminuten, so dass Sebastian Fleiß sich mit nicht ganz vier Minuten Rückstand zu Bronze auf Platz vier platzierte. Zwei Fehlschüsse zu viel, aber das ist eben Biathlon. Ähnlich Bernd Wollenberg (Berliner TSC): nur vier Minuten Einbuße beim „Punkt-OL“, aber mit nur fünf von 20 Treffern dann doch letztendlich auf Platz fünf der AK 6. Frank Braatz (Treptower SV, AK 50) traf es härter: Nur zwei Minuten Fehler beim Punkt-OL und insgesamt nur 12 Strafminuten beim Schießen – aber durch eine Knieverletzung beim OL über die insgesamt 8,4 km mit 180 Hm und 19 OP brachten dann unter 10 min Rückstand auf Bronze – Ergebnis Platz 6. Platz 8 hier Bernd Käding (Kaulsdorfer OLV) und bei den Junioren Paul Scholtz (Berliner TSC) auf Platz 9, er hatte für sich selbst einen „rabenschwarzen“ Tag erwischt…

Und wieder, wie auch schon beim Sprint, wirkten unsere beiden „Biathlonprofis“ Frank Braatz und Dimitri Popov beim „Anschießen“ aktiv auf unsere Trefferbilder ein, immer wieder „schraubten“ sie, unsere beim liegend Schießen erzielten Treffer  analysierend, an den Visiereinrichtungen. Dass dann unter der hohen physischen und psychischen Wettkampfbelastung dann doch nicht alles so glatt lief wie beim „Anschießen“, erleben die Biathlonfans bei den ausgiebigen TV-Übertragungen jeden Winter ja selbst bei den zig „Profis“ der Wintersportszen - und die schießen weiß Gott wesentlich öfter als wir „Amateure“ des Biathlon-Orientierungslaufs. 

 

Text: Bernd Wollenberg

Fotos: Veranstalter Jachymov, Hans Mandahl, Jürgen Schwanitz, Bernd Wollenberg